Al-Ghazali

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Persischer Jurist, Philosoph und Sufi (1058 - 1111)
Vollständiger Name: Abu Hamid ibn Muhammed al-Ghazali


Der Dichtername al-Ghazali bedeutet wörtlich "der Spinner" und ist ein Wortspiel im Persischen, das mit Bedeutungen von spinnen, Wolle und Liebe in Verbindung steht. Dort erzeugt das Wort mittels seiner Radikale in einem entwickelten, eher poetischen Sprachgefühl diese Assoziationen und damit eine bestimmte Bedeutungsschwingung - etwa: derjenige, der aus Liebe Wolle (das eigene Material) spinnt - also sufische "Arbeit" an sich selbst = Selbsterkenntnis.

Kurzbiografie

Al-Ghazali hat früh seine Eltern verloren und wurde dann von Sufis aufgezogen. Er war äußert gelehrig und intelligent und bekam mit 33 Jahren einen Lehrstuhl für Jura übertragen. Seine geistige Beweglichkeit wurde von allen Glaubenssystemen, Philosophien und religiösen Doktrinen herausgefordert, die er begierig studierte und durchdrang, v.a. um sie auf Haltbarkeit und ihre Wahrheit hin zu prüfen.

Er verfaßte selbst viele philosophische und theologische Texte und galt als einer der größten Scholastiker des Islam.

Er hatte nicht nur nichts für Autoritätsglaube und Denkverbote übrig, sondern entlarvte das als die Wurzel von Ideologien. Schon damals wies er äußerst klar auf die menschliche Schwäche hin, aus Unselbständigkeit auf Indoktrination, Gehirnwäsche und Konditionierung hereinzufallen bzw. diese nicht zu durchschauen, wo sie offensichtlich auftreten.

Doch nachdem er praktisch alles in seinem Bereich befindliche geistig-philosophisch durchdrungen hatte und die Grenzen der Denkfähigkeit erkannte, überkam ihn eine spirituelle Krise. Er erkannte unter anderem, daß er bis dahin mit seinem Intellekt glänzen wollte und auf Anerkennung aus war. Infolge der persönlichen Krise erlebte er einen körperlichen Zusammenbruch, was ihm den letzten, nötigen Anstoß dazu gab, seine gesellschaftlich hohe Stellung aufzugeben und dem Pfad der Sufis mit Entsagung und Meditation zu folgen. Er wußte von da an, daß der Kern des Sufismus ist, den Menschen zur unerschütterlichen Sicherheit innerer Erkenntnis zu führen.

In dieser Zeit machte er spirituelle Erfahrungen, von denen er bald darauf wußte, daß sie nur der Beginn sind, statt wie oft fälschlich beschrieben das Ende oder Ergebnis einer spirituellen Entwicklung. Auch wenn sie nicht selbst die Wahrheit sind, so gehören nach seiner Beschreibung ekstatische Erfahrungen zumindest zum lebendigen Wesen der echten und umfassenden Erfahrung der Wahrheit.

Wirkung

Al-Ghazalis Wirkung war zur damaligen Zeit die eines Verbinders und Versöhners. Da er sich geistig ebenso in der intellektuellen wie in der scholastischen, theologischen und dogmatisch-religiösen Umgebung bewegte, konnte er diese damals zerstrittenen Bereiche durch seine Texte versöhnen. Allgemein wird seine Wirkung auch auf das westliche Geistesleben als äußerst bedeutend eingestuft. Mithin wurden Denker wie Roger Bacon, Thomas von Aquin und Blaise Pascal von ihm beeinflußt.

Ebenso wie Rumi die Dichtkunst nur als unbedeutendes Nebenprodukt bezeichnete im Vergleich zur sufischen Wissenschaft, so stand al-Ghazali zu seinen zahlreichen Büchern und philosophischen Schriften, die nur ein Abglanz und Ausfluß einer höheren Verständnismöglichkeit waren. Das wichtigste und vordringlichste blieb für ihn immer die Entwicklung eines inneren Bewußtseins im Menschen.

Werke

  • Nische des Lichts
  • Das Elixier der Glückseligkeit
Marco Holmer, 3.6.2010