Die weiße Massai (Film)

Aus Neue Religion Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

D 2005, Regie: Hermine Huntgeburth

Handlung

Zu Handlung und Inhalt verweise ich auf die folgenden Weblinks:

Anmerkung: Irgendwelches typisches Kritikergeschwätz bei diesen Links oder bei weiteren Seiten oder im Feuilleton empfehle ich stets komplett zu ignorieren und sich stattdessen einen eigenen Eindruck zu verschaffen, z.B. durch Anschauen des Films. In diesem Fall lohnt sich das Filmerlebnis mit Sicherheit.

Eindrücke und Betrachtungen

1

Für mich ist der Film hochinteressant, nicht als Abenteuergeschichte oder aufrüttelndes persönliches Drama, sondern aufgrund der polaren Aspekte von authentischer Menschlichkeit einerseits und kultureller Prägung andererseits. In diesem Fall treffen zwei einander völlig fremde kulturelle Prägungen aufeinander — dazwischen, und als verbindendes Medium, wirkt die Sympathie und gegenseitige Attraktion zwischen Mann und Frau.

2

Der Ablauf der Handlung hat scheinbar etwas völlig Deterministisches und Unvermeidliches. Die Krise ist vorhersehbar. Der Film dokumentiert einfach diesen starren, durch keine persönliche Bemühung beeinflußbaren Vorgang. Bei mir hat das, v.a. durch die sehr intensiven und aufrüttelnden Bilder, einen wehmütigen und traurigen Eindruck hinterlassen. Die Frau flüchtet in ihre angestammte Umgebung, in die hochzivilisierte Schweiz zurück. Man kommt nicht umhin, daraus zu folgern: die Menschlichkeit hat gegenüber der Kulturprägung den kürzeren gezogen. Nett und malerisch kann so etwas nur finden, wer das Spektakel als unterhaltsames Abenteuer konsumiert, wer es also bloß von außen sieht.

3

Versetzt man sich aber stärker in den Mann, den stolzen und lebensfrohen Massai, und in die Frau, die wagemutige und entschlossene Schweizerin, hinein, so wird immer klarer, worin das eigentliche Scheitern besteht, das dieser Film bebildert. Es vollzieht sich da, wo die Menschlichkeit der Konvention und der Moral der jeweiligen Gesellschaftskultur nachgibt und schließlich unterliegt. Der Massai hat seine strikten Vorgaben und Verhaltensregeln, mit denen er sich als starke Persönlichkeit nur umso mehr identifiziert. Aber auch die Schweizerin bleibt dem europäischen Denken verhaftet. Insgesamt ist sie aber das wesentlich freiere Individuum. Sie folgt mehr ihrem spontanen Gefühl und zeigt gerade darin eine beeindruckende Stärke, von der jeder nur lernen kann. Es wäre ein Fehler, diese Stärke zugunsten der Moralvorstellungen der einheimischen Afrikaner zu opfern. Ein Großteil dieser Moralvorstellungen zeugt nämlich nur von mittelalterlicher Beschränktheit, ja geradezu von erschreckender Dummheit und Unreflektiertheit.

4

Im Gegensatz zum Film, der es bei der Schwarzweiß-Zeichnung der Grundkonstellation beläßt und sie durch seine Auswahl der dramatischen Momente sogar noch überhöht, interessiert mich viel mehr die Hinterfragung der Grundhaltungen, mit denen die Figuren operieren. Warum kommt es zum Konflikt? Was läuft hier schief? Läßt sich so etwas grundsätzlich nicht verhindern? Verhalten sich Menschen immer nur wie Automaten, vorprogrammiert durch ihre jeweilige Kultur und Geisteswelt? Und wie verkehrt man mit Menschen, bei denen diese Automatenhaftigkeit unveränderbar gegeben ist?

5

Die Liebe und die Offenheit dem Leben gegenüber, das ist im Film (aber auch in jedermanns Dasein) die Kraft, die diese Automatenhaftigkeit aushebelt und für Momente völlig außer Kraft setzt. Das ist, was ich oben „Menschlichkeit“ genannt habe, und es ist für mich die einzig echte Menschlichkeit, nämlich: unverfälschte Natürlichkeit. Nun aber passieren Eifersucht, Interessenkonflikte, Mißverständnisse. Da müßte sich doch die Frage stellen: Wo kommen sie her? Und: Muß man sie hinnehmen und sich nach ihnen richten?

6

An diesem Punkt ist jeder allein, aber erst hier fängt die eigentliche Liebe an: die eigene Natürlichkeit und Authentizität weiter zu respektieren und sie sich nicht abspenstig machen zu lassen. Und aus dieser Echtheit heraus weiterhin dem Mitmenschen gegenüber offen und verständnisvoll zu bleiben, statt ihn als Gegner, der diese Qualitäten bedroht, zurückzustoßen. Diese Haltung beschreibt der Film nicht. Es ist schon fast schockierend, mit welcher Selbstverständlichkeit dieser Aspekt nicht zum Zuge kommt. Und genau so ist es praktisch überall im Alltagsleben. Die meisten Menschen kennen diese Alternative zu ihrem blinden, stumpfen Nachvollziehen der kulturellen Verhaltensvorgaben nicht, und es wird auch nicht darüber gesprochen, es wird erst gar nicht thematisiert. So etwas passiert nur im Bereich Innerer Schulen.

Gerd-Lothar Reschke, 31.8.2007