Falsches Selbstbild

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Das falsche Selbstbild — Die fälschliche Ich-Vorstellung und der Ich-Gedanke


Dabei handelt es sich ganz grundsätzlich um die Vorstellung, ein vom Ganzen getrenntes Wesen („Ich“) zu sein, und damit ein kleiner Punkt in einer unendlich großen Welt, oder ein kleiner Punkt aus Bewußtsein, der irgendwo im eigenen Körper zu lokalisieren ist. Konkret nimmt das falsche Selbstbild hingegen eine Vielzahl von Ausprägungen und Erscheinungsformen an, je nach Kindheitsverlauf, Erlebnissen, Konditionierung und eigener Disposition.

Das falsche Selbstbild ist immer mit Lüge, Täuschung und Selbsttäuschung verhaftet. Tief in sich selbst ist sich jeder Mensch seiner inneren Leerheit durchaus gewahr (was würde er auch finden, wenn er in sich hineinschaute, außer einem ständig wechselnden Gedankenfluß, dessen Veränderungen er auch noch weitgehend hilflos ausgeliefert ist?), aber da er diese leugnet, muß er vor dieser Tatsache fliehen und sie mit allen möglichen „Ablenkungen“ stopfen. Solche Täuschung führt dann zu der ständigen Angst vor Entlarvung und Demaskierung.

Zum Schutz vor der gemiedenen Wahrheit baut sich der Mensch eine möglichst schillernde und imposante Persönlichkeit auf, die mal mehr, mal weniger komplex ist, mit der er sich aber in jedem Fall so vollständig identifiziert, daß er glaubt, mit ihr völlig identisch zu sein. Durch den zwanghaften Inneren Dialog, der nie enden darf, damit das Konstrukt nicht ins Wanken gerät, redet er sich dann pausenlos ein, als konsistentes, planvoll handelndes Wesen existent zu sein und Kontrolle über sich und seine direkte Umwelt zu haben. Vor Regungen seines Gewissens, die ihm zwischenzeitlich seine wahre Lage ins Bewußtsein zu rücken drohen, schützen ihn Puffer, mit denen er sich selbst rechtfertigen und den inneren Status quo aufrechterhalten kann.

Die Furcht davor, das falsche Selbstbild zu verlieren, ist zumeist noch größer als die physische Todesangst des Körpers.


Der gewohnheitsmäßig affirmierte Ich-Gedanke

Der Ich-Gedanke ist eine gewohnheitsmäßig affirmierte falsche Annahme, die selbst keinerlei Wirklichkeit besitzt. Er kann nur durch Identifizierung mit einem Objekt in Erscheinung treten. Wenn Gedanken auftauchen, hält sich der Ich-Gedanke für ihren Verursacher — „Ich denke“, „Ich fühle“, „Ich wünsche“, „Ich handle“ —, aber es gibt keinen separaten Ich-Gedanken, der unabhängig von dem Objekt existiert, mit dem er sich identifiziert. Er scheint nur deshalb als Wirklichkeit zu existieren, weil der Fluß ständiger Identifizierungen unaufhörlich anhält.

Fast alle diese Identifizierungen können zurückgeführt werden auf die Annahme, daß das „Ich“ auf den Körper begrenzt ist. Diese „Ich bin der Körper“-Vorstellung ist die Hauptursache aller daraus folgenden falschen Identifizierungen, und ihre Auflösung ist das wichtigste Ziel der Selbstergründung.

Da der individuelle Ich-Gedanke ohne ein Objekt nicht existieren kann, muß die Aufmerksamkeit so intensiv auf das subjektive Empfinden von „Ich“ oder „Ich bin“ gerichtet werden, daß die Gedanken „Ich bin dies“ oder „Ich bin das“ gar nicht erst aufsteigen.

Nach Aussagen von Ramana Maharshi

Praktisches Beispiel

Viele Menschen spüren eine unwillkürliche Scham oder Abschreckung von Fotos, Ton- oder Videoaufnahmen von sich selbst. Das dient als gutes Beispiel dafür, wie sich das Selbstbild von der Wirklichkeit unterscheidet, also tatsächlich falsch ist.
Die eigenen Vorstellungen im Inneren stimmen nicht mit dem äußeren Eindruck überein. Dementsprechend kann es dazu kommen, daß man sich entlarvt, ernüchtert oder nackt fühlt.

Zu Selbsterkenntnis gehört u.a. die Bemühung und Bereitschaft, sich so zu sehen, wie man wirklich ist.

Gerd-Lothar Reschke, Marco Holmer, 8.9.2007, 21.10.2007, 16.1.2008, 21.1.2008