Glauben

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Widersprüchliche Wort-Bedeutungen

Die Begriffe "Glaube" oder, eher im aktiven Sinne, "Glauben" gehören zu den widersprüchlichsten der deutschen Sprache, weil sie völlig verschiedene Bedeutungen transportieren können:

  • Etwas glauben - im Sinne von nicht wissen, es aber trotzdem unkritisch verinnerlichen
  • An etwas glauben - im Sinne von auf etwas (oder jemand) vertrauen

Besonders im christlichen Kontext wird zumeist der Schwerpunkt auf die zweite Bedeutung gelegt. Glaube wird als positive Fähigkeit, als Ausdruck von Kraft und Zuversicht gesehen. Anderes Beispiel: Jemand kommt in eine aussichtslose Situation (wo er womöglich einer tödlichen Bedrohung durch Naturgewalten ausgesetzt ist), aber sein Glaube, es dennoch zu schaffen, hält ihn am Leben und ermöglicht schließlich seine Rettung. Hätte er nicht "an sich" oder "an Gott" geglaubt, wäre sein Durchhaltevermögen früher ermattet, und er wäre gestorben.

Irreführende Forderungen

Schwierig wird es nun aber, wenn beide Bedeutungsaspekte in der Art vermischt werden, daß das "etwas glauben" — z.B. Behauptungen, Lehrsätze, Dogmen, vor allem wenn sie ideologisch geprägt sind und ihre unkritische Übernahme kategorisch eingefordert wird — ebenfalls zu etwas Richtigem und Sinnvollem uminterpretiert und als positives, lobenswertes, vor allem aber moralisch notwendiges Verhalten angesehen wird.

Es wird dann gerne so etwas behauptet wie: Echte Religion kann nur durch Glauben möglich werden. Der nächste Schritt ist dann, ein Glaubenssystem blind zu verinnerlichen.

Hierzu siehe z.B.:

Um sich von der in unserer Kultur leider so weitverbreiteten Begriffs- und Bedeutungsverwirrung zu befreien, ist es also nötig, genauer zu hinterfragen, was jeweils mit diesem Wort gemeint ist und was an versteckter Bedeutung, vor allem aber an versteckter Forderung dabei mitschwingt.

Etwas ungefragt und ohne genaues eigenes Nachprüfen und Untersuchen einfach zu glauben ist kein Zeichen von Heroismus, sondern meistens von Dummheit. Der wirkliche, echte Sucher nach Wahrheit wird sich damit nie zufrieden geben, sondern sich selbst überzeugen und alles daran setzen, zur Gewißheit vorzudringen. Genau diese Einstellung führt ihn zur echten Religion, und diese entpuppt sich als eine ganz andere als das Nachahmen einer äußerlichen ideologischen Fassade. Denn diese Fassade erweist sich besonders da als Hindernis, wo sie Denkverbote ausspricht und den Zweifelnden durch Anpassungsdruck und Drohungen einzuschüchtern und zur Gefolgschaft zu nötigen sucht. Von diesem Punkt an wird die Glaubensforderung zu Fanatismus.

Das ist natürlich bei weitem kein ausschließliches Problem konventionell dogmatischer Christen, sondern mindestens genauso von Anhängern des Islam. Denn letzterer forciert fast noch mehr die obligatorische Unterordnung unter die Kirchenlehre. Man beachte hier die zahlreichen grausamen Strafen, die Nichtgläubigen angedroht werden, sowie die an jeden Angehörigen der betreffenen Ideologie gerichtete Forderung, "Ungläubige" zu konvertieren oder zu bekämpfen.

Einen angenehmen Kontrast zu derlei Verengung stellt der Buddhismus dar, zum großen Teil auch der Hinduismus. Buddhas Lehre ist auch ein gutes Gegenbeispiel gegen die Gleichsetzung von Gottesglauben (also Glaube an einen persönlichen Gott) und Religion.

Siehe auch:

GLR, 10.6.2011