Kinsey - Die Wahrheit über Sex (Film)

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Der Film handelt von Alfred Charles Kinsey, der Mitte des letzten Jahrhunderts als Sexualforscher tätig war und als erster statistische Erhebungen über das Sexualverhalten der US-amerikanischen Bevölkerung anstellte. Der Film zeigt das Wirken eines nüchternen und aufklärerischen Mannes, der, durch eigene Erfahrungen und Erschütterungen getrieben, das Tabuthema Sex aus der Versenkung holen und mit den Mitteln der Forschung und Wissenschaft der breiten Bevölkerung zugänglich machen wollte. Seine Methode war einfach und erfolgreich: Er befragte die Menschen in einem vertraulichen Gespräch mithilfe eines selbst entwickelten Fragebogens. Dabei war es interessant zu sehen, daß die Menschen im Grunde nur eine Sorge hatten, nämlich die, ob sie normal seien.

Die Auswirkungen seiner Ergebnisse auf die Bevölkerung waren für Kinsey nicht abzusehen. Seine logische Annahme war, daß es nur mithilfe von Fakten möglich sein würde, die Bevölkerung aufzurütteln und von allen Lügen und moralischen Vorbehalten zu befreien. Eine Zeitlang gelang es ihm sogar, daß die Menschen anfingen, sich und ihre Gewohnheiten zu hinterfragen und vereinzelt sich sogar daraus zu befreien. Er übersah jedoch die Brisanz der Wahrheit, mit der die Menschen konfrontiert wurden. Sie sollten plötzlich einsehen, daß sie jahrelang mit einer Lüge lebten, daß sie ihren Partner falsch behandelt und ihre Kinder falsch erzogen hatten. Sie sollten akzeptieren, daß sie sich selbst etwas vormachten. Dies konnte nicht funktionieren. Nicht zuletzt sahen Kirche und andere Einrichtungen eine große Gefahr hinter dieser Aufklärung und übten starken Druck auf Kinsey und seine Förderer aus, so daß das Projekt schließlich zum Erliegen kam. Kurz vor seinem Tod sagte Kinsey folgerichtig, daß er sein Ziel, die Bevölkerung sexuell zu befreien, nicht erreicht habe.

Der Film ist in zweierlei Hinsicht aufschlußreich im Hinblick auf die Innere Schule. Erstens zeigt er auf, daß die Menschheit noch Lichtjahre von sexueller Aufklärung entfernt ist. Die Unsicherheit der Bevölkerung ist heute noch genauso groß wie damals, nur daß heute jeder denkt, er wäre aufgeklärt, weil er doch ständig mit Sexualität konfrontiert wird. Die wahre Aufklärung besteht jedoch nicht in der Vermittlung von sexuellen Praktiken oder dem Hinweis auf die Bedeutung von körperlicher Zuwendung, sondern in der Einsicht, daß es nichts Verbotenes gibt und kein Mensch unnormal ist. Im Film gibt es eine Stelle, in der Kinsey vorgeworfen wird, er würde sich wie ein Prediger statt wie ein Wissenschaftler verhalten. Hier liegt die Schwierigkeit, denn keine nüchterne Wissenschaft allein vermag das Thema zu bewältigen. Nur die ehrliche Arbeit an sich selbst unter Betrachtung aller Aspekte des Menschsein kann zu Ergebnissen führen. Der zweite wichtige Punkt, der auch stets in einer authentischen Inneren Schule behandelt wird, ist, daß der Verstand nicht frontal angegangen werden kann. Es spielt auch keine Rolle, wie erdrückend und entlarvend die Wahrheit ist, der Verstand wird immer einen Ausweg finden und die Lügen neu zusammensetzen. Diese Tatsache zeigt der Film deutlich auf, ohne sich dessen wirklich bewußt zu sein. Das Scheitern wird hier eher mit der Übermacht der moralischen Instanzen und der Trägheit der Bevölkerung (welche heute noch viel stärker ist) begründet.

Christian Häusler, 27.11.2007