Konzeptbildung
Aus Neue Religion Wiki
Konzeptbildung geht vom verselbständigten Verstand aus, der als künstlicher mentaler Überbau die Kontrolle über das natürliche Sein des Menschen übernommen hat und den Menschen in eine Welt der Vorstellungen und Gedankenträume entführt. Konzepte sind aus Erlebtem oder Gehörtem gebildete geistige Muster, die an die Stelle der tatsächlichen Wirklichkeit treten. Sie basieren auf Sprachbegriffen und auf logischen und sprachlichen Mustern, die sich je nach kultureller Prägung und je nach vorherrschendem Welt- und Selbstbild im Verstand herausbilden und zueinander Bezüge bilden. Diese Konstrukte sind immer entweder auf Vergangenheit oder Zukunft bezogen und geben vor, real zu sein, während sie jedoch in Wahrheit bloß aus Projektionen und Mutmaßungen bestehen.
Intellektuelle Menschen sind besonders prädestiniert, auf diese Art halluzinatorischen Denkens hereinzufallen.
Man kann Konzepte auch verstehen als Versuch, Kontrolle über sich und die Umwelt auszuüben. Dem zugrunde liegt die Annahme, Konzepte gingen Handlungen und Verhaltensweisen voraus und Schlußfolgerungen könnten nach eigenem Willen gegenüber der Welt (sowie ggf. auch gegenüber der eigenen Innenwelt) durchgesetzt werden. Wer so denkt, sieht im Konzept den Ursprung seines Verhaltens. Tatsache ist jedoch, und nähere Selbstbeobachtung zeigt dies auch unmißverständlich und klar, daß Konzepte wie auch ganz allgemein Gedanken immer nur Reaktionen darstellen. Weder das Denken noch irgendwelche geistigen Projektionen setzen Ursachen, sondern allein die Lebenskraft selbst, die wiederum eine unpersönliche Ausdrucksform der Ganzheit ist und deren jeweilige Erscheinungsform manifestiert.
Wenn verstanden und auch bei sich selbst ganz praktisch beobachtet wird, daß Konzepte keine echte Wirkung ausüben (dies gilt auch für alles, was mit Ideen zu tun hat), kann die Energie, die in mentale Projektionen investiert wurde, wieder zu ihrer Quelle, nämlich zum wirklichen Sein des Menschen zurückkehren. Sie drückt sich dann spontan, unvorhersehbar, völlig frei (und daher auch angstfrei) und lustvoll aus; sie ist dann authentischer Ausdruck der Ganzheit und trägt daher auch immer harmonisch, heilend und fruchtbar zur Einheit allen Seins bei. Nur diese Ausdrucksform ist ungespalten, konfliktfrei und liebevoll, während aus geistiger Projektion resultierende Konzepte den Keim von Ablehnung, Grausamkeit und Zwiespalt in sich tragen. Dies gilt unabhängig von jeglichem Anspruch, und sei er noch so wohlmeinend oder reformerisch gemeint.
| Gerd-Lothar Reschke, 19.10.2007 |
del.icio.us
digg
Google
MrWong
Twitter
