Ludwig van Beethoven: Ouvertüre "Egmont", op. 84 (Musik zu Goethes Trauerspiel)

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Berliner Philharmoniker, Leitung: Herbert von Karajan


Sostenuto ma non troppo:

Der erste Ton ist verhängnisvoll und verspricht Unheil. Bedrohliches marschiert langsam nach vorne: ein Krieg wird ausbrechen. Ein warmer Hauch Hoffnung und eine weinerliche Klage sprechen für Menschlichkeit und Harmonie: gegen Krieg. Jemand macht sich Sorgen um eine unterdrückende Macht. Es wird wieder heftig marschiert, dieses Mal lauter und selbstsicherer durch das Forte des Orchesters. Die Drohung des Unheils ist erneut präsent, worauf wieder mit einem Wunsch nach Freiheit und Harmonie beantwortet wird. Es wird zart und liebevoll. Der Wille nach Freiheit verdichtet sich und verschmilzt mit dem Allegro.

Allegro:

(~ 2:26) Das Allegro fängt gleich mit einem Kampf um die menschliche Würde an. Die einzige Waffe Egmonts, der hier der Märtyrer für Freiheit wird, ist bedingungslose Hingabe und Liebe. Er hat keine strategische Herangehensweise, sondern folgt nur dem, was sein Herz ihm sagt. Er kämpft gegen Unterdrückung bis zur Selbstaufopferung. Auf dem Schlachtfeld stehen autoritärer Haß auf einer und befreiende Liebe auf der anderen Seite. Diese hat keine offensiven Waffen, sondern nur die eigene Würde. Hier zeichnet sich, wie Haß und Macht im Vorteil sind. Eine große Ungerechtigkeit, ja eine Tragödie, kann jede Minute passieren. Ein ungleiches Duell zwischen Gewalt und der Suche nach Verständnis ergibt sich. Die unterdrückende Kraft versucht immer weiter zu herrschen und die Liebe Egmonts weicht zwar nicht aus, attackiert aber auch nicht, da er mit Haß nichts anfangen kann. Das Ganze scheint in Kreisen zu laufen, kulminiert aber doch in Egmonts plötzlichem Tod. Trauer und Schmerz werden durch das Piano der Bläser erlebt. Durch eine Tonänderung fängt das 'Allegro con brio' an, das eine komplett andere Perspektive zeigt.

Allegro con brio:

Mit einem 'Crescendo' sammelt sich zunehmend Kraft. Wie Phönix aus der Asche passiert die erstaunliche Wiederauferstehung der Liebe zur Freiheit und der Sieg über Unterdrückung und Zwang. Die Liebe hat sich nicht gebeugt, auch wenn (oder genau weil) Egmont dafür sterben mußte.
Daniela Rizzi, 25.1.2010