Ludwig van Beethoven: Sechs Bagatellen, Op.126

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Klavier: Anatole Ugorsky

1. Andante con moto:

Das Stück fängt singend und vertraulich an. Das Thema erwärmt das Herz. Es wird dann beweglicher und etwas forschend. Nachdenkliches schwebt mit, vielleicht ein wenig Unsicherheit. Das Thema des Anfangs zeichnet sich wieder neu. Hier ist Ugorsky zart und liebevoll, er nimmt sich Zeit und reist durch die Noten mit Zuversicht. Die Bewegung endet leicht und zart, als ob Beethoven uns ein Geheimnis ins Ohr flüstern würde.

2. Allegro:

Das Allegro fängt mit aller Kraft an. Hier reden zwei Stimmen. Eine ist entschieden, laut und explosiv, die andere ist leise und harmonisierend. Es ergibt sich ein Gespräch: manchmal hat die 2. Stimme die Bühne und wird auch ziemlich laut. Das Gespräch entwickelt sich zu einer Diskussion - die Intensivität ist ansteckend. Der Satz endet in der Luft, nachdem die Stimmen die Diskussion erneut aufgenommen wurde. Ein Konsens findet nicht statt; jeder bleibt bei seiner ursprünglichen Position.

3. Andante:

Diese Bewegung hat nichts mit dem vorherigen Satz zu tun. Hier singt nur eine, eindeutige Stimme, die an Einheit und Ganzheit erinnert; keine Differenzen oder Unklarheiten sind vorhanden. Die Musik vermittelt tiefe Ruhe und Großzügigkeit - sowohl einem selbst als auch der Welt gegenüber.

4. Presto:

Hier zeigt der Klavierspieler seine ganze Wut und einen stolzen Zorn, indem er das Klavier mit aller Kraft und Energie hämmert, vor allem bei den tiefen Tönen. Zwischendurch wird es aber unglaublich zart und leicht, als ob Ameisen tanzen würden. Die Kontraste dominieren diesen Satz, der sich am Ende aber doch liebevoll und melodiös verabschiedet.

5. Quasi allegretto:

Am Anfang ist die Stimmung etwas unsicher und vielleicht auch beklommen. Hier sind Zweifel und Ungewißheit. Es ändert sich aber enorm mit der Entwicklung der Musik. Es ist so, als ob die Tür eines dunklen Zimmers sich auf einmal öffnen würde und Sonnenstrahlen alles gelb malen würden. Hier sind keine Schatten mehr, sondern nur noch Licht.

6. Presto:

Das Presto fängt dynamisch und selbstsicher an. Es wird dann erstaunlich ruhiger: Beethoven schafft warme, hübsche Klänge. Er hat keine Eile und wird anmutig. Mit den tiefen Tönen fängt die Beweglichkeit wieder an und entwickelt sich immer lauter. Es wird wieder leise. Überraschend taucht das Thema des ersten Satzes vom Presto wieder auf und schafft alles wieder neu: es entwickelt sich zu einem triumphalen, lebhaften Ende.
Daniela Rizzi, 1.11.2009