Ludwig van Beethoven: Violinsonate Nr.5, F-dur, op. 24, „Frühlingssonate“

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Pinchas Zukerman (Violine) und Daniel Barenboim (Klavier) - EMI Classics

Pinchas Zukerman (Violine) und Daniel Barenboim (Klavier) - EMI Classics


Anmerkungen zum Stück

Beethoven nannte diese Sonate nicht Frühlingssonate, obwohl die Assoziation mit der Frühlingszeit von ganz allein kommt und der Grund ist, warum sie unter dem populären Namen Frühlingssonate bekannt wurde. Beethoven begann mit dem Werk im Jahr 1800, im Jahr 1801 wurde es fertiggestellt. Obwohl eine frohgemute und hoffnungsvolle Stimmung in der Sonate überwiegt, war das Leben Beethovens zu dieser Zeit alles andere als leicht: Er bekam mit, daß seine Ohrenbeschwerden nicht nur vorübergehend waren, sondern daß er taub werden würde. Andere Werke, die er zu der Zeit schrieb, zeigten seine Verzweiflung und Ängste diesbezüglich. Die „Schwestersonate“ der Frühlingssonate z.B., die Violinsonate a-Moll, Op. 23, ist im Gegensatz zu der Frühlingssonate von einer dunklen und tragischen Stimmung dominiert. Beide Sonaten (Op. 23 und Op. 24) wurden ursprünglich unter der gemeinsamen Opuszahl 23 veröffentlicht, als komplementäre Paare. Erst später wurde die Frühlingssonate unter Op. 24 für „eigenständig“ erklärt und sogar berühmter als die Violinsonate Op. 23.

Das Werk wurde dem Grafen Moritz von Fries gewidmet. Damals war es üblich, daß Komponisten ihre Werke Persönlichkeiten und Vertretern des europäischen Adels widmeten, da sie dadurch auch gute Entlohnungen bekamen. Der Graf war einer der zahlreichen adligen Mäzenen und ein Freund Beethovens. Da er ein begabter Violinist war, schrieb Beethoven das Stück für Klavier und Violine, und sie führten sogar das Stück zusammen auf.

In diesem Stück schafft Beethoven ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen beiden Instrumenten: Anders als bei Mozarts Sonaten, ist die Violine hier keine „Begleitung“ für das Klavier, sondern ein Partner; beide Instrumente berühren sich auf gleicher Augenhöhe.


Stückbeschreibung

I. Allegro:

Das Allegro hat einen heiteren und beschwingten Charakter. Die Violine öffnet mit einer hellen Melodie und das Klavier wiederholt sie. Durch den ganzen Satz entwickelt sich einen Dialog zwischen den zwei Instrumenten, der nie aus dem Gleichgewicht gerät: Harmonie und gegenseitige Ermunterung dominieren die meiste Zeit. Nun schreibt Beethoven hier nicht nur helle Töne, sondern verwebt die unschuldigen Sätze auch mit Variationen, die Zweifel und Fragen beinhalten. Inzwischen wird es sogar mysteriös und etwas bedrohlich. Doch bringt Beethoven einen aber immer wieder dorthin, wo alles sicher und in Ordnung ist. Das macht er durch die Wiederholung der geborgenen Melodie des Anfangs. Das Ende dieses Satzes ist eine muntere Variation vom Hauptthema.


II. Adagio molto espressivo:

Die linke Hand des Klaviers malt die Tonart leise an. Die rechte Hand des Klaviers, die Oberstimme, präsentiert das Melodie-Thema des Satzes: ein expressives und warmes Liebesgedicht. Die Violine ist in den ersten Takten noch leise und zurückhaltend, übernimmt später dann aber die Melodie. Abwechselnd spielt ein Instrument das Hauptthema, während das andere in der selben Melodielinie mit Verzierungen das Thema bereichert. Es gibt hier keinen Widerstand, sondern nur Harmonie und Frieden. Beethoven ist hier verliebt und seine Liebe wird erwidert.


III. Scherzo (Allegro molto) & Trio:

Beim Scherzo erzählt Beethoven einen Witz: Die Violine ist immer ein Atemzug hinter dem Klavier her. Sie bemüht sich sehr, das Klavier nachzuholen, schafft es aber doch nicht und ist immer einen Augenblick zu spät. Dann kommt ein Trio, bei dem die klare Rhythmik des Scherzos aufgelöst wird: Beide Instrumente wirbeln zusammen und bilden einen lebhaften Staccatosatz voller Achtel. Am Ende wiederholt sich das Scherzo-Thema. Dieser Satz hat etwas von einem Flirt zwischen Mann und Frau. Beiden zanken liebevoll miteinander und berühren sich sogar, es passiert aber doch nicht viel und sie fallen wieder in die spielerische Tändelei des Anfangs hinein.


IV. Rondo (Allegro ma non troppo):

Das Thema fängt rund, unschuldig und fließend an. Das Klavier öffnet den Satz und die Violine wiederholt ihn. Beide Instrumente treten in einen harmonischen Dialog miteinander, dieser variiert immer mehr und erzeugt eine wechselhafte Stimmung, die sich von Leichtigkeit über tiefgreifende Zweifel bis ins Dramatische erstreckt. Das ganze wird bedrohlich, klagend und traurig. Es gibt inzwischen keinen Konsens. Das Thema kehrt aber doch zurück zum anfänglichen Thema, wo Wärme und Harmonie den Ton geben. Das Gespräch zwischen Klavier und Violine (Mann und Frau) entwickelt sich weiter und es tauchen erneut Zweifel auf. Die Stimmen treffen sich aber wieder beim Anfangsthema, und es wird wieder spielerisch und leicht. Sie finden einen Weg und kehren immer näher zusammen bis zu dem virtuosen und lebhaften Finale, bei dem keine Zweifel mehr übrig bleiben, sondern nur die reine Freude und Lebenskraft.

Daniela Rizzi, 20.3.2010