Ornamente und Verzierungen an Häusern

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Christian

Wenn ich hier in Hamburg durch die Straßen gehe, bin ich immer wieder überrascht, wie viele unscheinbare Häuser durch aufwendige Verzierungen an der Fassade eine besondere und hochwertige Erscheinung bekommen. Meist sind es Muster und Ornamente an Türen und Fenster, manchmal auch richtige, in die Wand gehauene Skulpturen. Es ist schön zu sehen, daß hier Menschen am Werk waren, die nicht einfach nur ein Haus bauen, sondern tatsächlich etwas Besonderes schaffen wollten. Etwas, daß ihrer Idee und Kreativität Ausdruck verleihen und die Tatsache hervorheben sollte, daß es sich um Orte handelt, in denen Menschen leben und sich wohlfühlen möchten.

Für mich scheint diese Art Herangehensweise heute so sehr verkümmert und von Kosten-/Nutzen-Rechnungen überholt, daß es ein Jammer, ja eine Schande ist. Gut, vielleicht hatte man zu der Zeit, als die Häuser gebaut wurden, tatsächlich mehr Geld zur Verfügung. Das entschuldigt aber nicht den Bau der größtenteils gesichtslosen und langweiligen Häuser der letzten Jahrzehnte. (-> Das Prinzip der Bezahlung)

Goetz

Das geht mir auch so: jedes Mal, wenn ich besonders schön mit Stuck verzierte Häuser antreffe, freue ich mich. In (Altbau-)Zimmern mit Stuck fühle ich mich auch auf Anhieb wohler. Solch ein Raum hat gleich eine ganz andere Ausstrahlung.

Eine Kunsthistorikerin erzählte mir einmal, dass während der Nazizeit Nazitrupps durch die Stadt zogen, deren Aufgabe darin bestand, den Stuck von den schönen Stadthäusern herunterzuklopfen. Er sei „undeutsch“. Ich finde das interessant, denn es zeigt, dass derartige Dinge ganz gezielt zur Beeinflussung der Menschen eingesetzt wurden und wohl auch werden. Menschen, die sich in ihrer Umgebung unwohl fühlen, sind beherrschbarer.

Marco

Letztens entdeckte ich einen kleinen Schutzheiligen auf der Höhe des 1. Stocks an einem hervorspringenden Eck eines Wohnhauses. Ich freute mich daran, konnte aber nicht erklären, wieso. Er stand in einer abgerundeten kleinen Fassung, die diese Ecke sichtbar entschärfte. Dabei konnte ich die Figur noch nichteinmal richtig erkennen, aber sie hatte eine sehr starke Wirkung an ihrem Platz.

Dagegen wirkte die gegenüberliegende Neubaufassade kalt und gleichschaltend mit den langen herabfallenden Linien, den zwar großen Fenstern, in denen die Menschen aber austauschbar leben wie in einem durchsichtigen Bienenstock.

Ich habe eine besondere Vorliebe für rankenden Wein und Efeu an Häusern, die ja häufig ebenfalls in Ornamenten auftauchen. Wo diese Pflanzen an Fassaden wachsen, lebt etwas, innen wie außen, das ganze Haus beginnt zu atmen. Es ist interessant, daß diese Schönheit mit Funktionalität Hand in Hand geht, denn sogar klimatisch hat es Vorteile, so eine zweite Fassade zu haben, die im Sommer mit Schatten kühlt und im Winter isoliert.

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