Pseudoreligion
Aus Neue Religion
Glaubensforderung statt Wissen aus Erfahrung
Im herkömmlichen Sprachgebrauch ist Religion zu einem Hort falscher Vorurteile und Vorstellungen geworden, etwa, Religion sei Glaube an etwas, das es nicht gibt, z.B. Gott, Wunder, den Teufel, den Weihnachtsmann oder das Christkind. Der latente innere Zweifel an diesen Vorstellungen führt notwendigerweise zu einer Angstspannung, die wiederum Dogmatismus, Fanatismus und Intoleranz verursacht.
Der vorhandene Spannungsstau tendiert ständig dazu, sich im Haß auf Andersgläubige zu entladen, da auch hier (genau wie beim falschen Politikverständnis) die eigene Unklarheit nach außen projiziert wird. Hinzu kommen menschenverachtende Dogmen wie das von der Ursünde des Menschen, von der Lasterhaftigkeit und Verwerflichkeit alles Fleischlichen und Sinnlichen, die zu einer permanenten sexuellen Unterdrückung führen und damit den Stau der natürlichen Lebenskraft weiter eskalieren lassen.
Die bekanntesten Pseudoreligionen sind die sogenannten "Weltreligionen" Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und Judentum, sowie neuere Kulte und Sekten. Pseudoreligionen sind leicht daran zu erkennen, daß sie moralisches Verhalten anstelle von Selbsterkenntnis und Selbstakzeptanz verlangen.
Wie werden aus Religionen Pseudoreligionen?
Pseudoreligionen sind in der Regel Überbleibsel ehemals echter Religionen, die — nach dem Tod ihrer Gründer und/oder von diesen Gründern direkt geschulten Nachfolgern — nach und nach einen Prozeß der Erstarrung durch mechanische Nachahmung ehemals lebendiger Methoden, Riten oder verbaler Kommunikation durchlaufen, so daß der Kontakt zur lebendige Quelle solcher Lehren nach und nach erstorben ist. Ein derartiges Absterben stellt, wenn man sich den Entwicklungsgang sämtlicher Lehren in mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte anschaut, eine Gesetzmäßigkeit dar.
Es ist wichtig, zu verstehen, weshalb das Studium dieser Gesetzmäßigkeit des Absterbens und Versiegens lebendiger Einflüsse in allen dogmatischen Dogmenlehren nicht zum Lehrkanon zählt — man kann es also geradezu als Indiz für irrationale Ideologien nehmen, wenn derartige Untersuchungen tabuisiert werden. Die Auseinandersetzung mit dem Werdegang lebendiger Religionen ist fast nur noch in wenigen Sufi-Traditionen gang und gäbe, die auch eine Anzahl von Lehrgeschichten und Gleichnissen zu dieser Thematik vorweisen können und ihre Anhänger entsprechend aufklären. Auch G. I. Gurdjieff verwies ursprünglich auf die Bedeutung des Themas (siehe z.B. im Buch "Auf der Suche nach dem Wunderbaren" von P. D. Ouspensky).
| Gerd-Lothar Reschke, 27.12.2003, 12.10.2008, 16.2.2010 |
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