Wissen

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Zwei ganz verschiedene Arten von Wissen

Wir unterscheiden hier eine ältere und eine neuere Bedeutung des Begriffs "Wissen".

  • Die ältere bezieht sich auf die Gesamtheit mentaler und praktischer Kenntnis, Kapazität und Fähigkeit,
  • die neuere hingegen verkürzt Wissen auf "Information".

Unter diesem Aspekt entlarvt sich unmittelbar die im heutigen akademischen Spezialistentum bevorzugte und von der Gesellschaft ungebührlich respektierte Form der Intellektualität, also der Überbetonung von reinem Intellekt- bzw. Verstandes-Wissen. Wie sie leider auch bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen in den heutigen Ausbildungsanstalten vorherrscht.

Ein solcherart beeinflußter Mensch wird zum charakterlichen Kastraten. Seine Lebensunfähigkeit und Unselbständigkeit paßt optimal zur Überversorgung einer dekadenten Technikzivilisation, die sich den unselbständigen Mitläufer, "Angestellten", Steuerzahler, Alle-4-Jahre-Kreuzchen-Macher und Dauerkonsumenten heranzüchtet, den sie am liebsten hat.

Ohne Erfahrung kein echtes Wissen

Ein Philosoph und Mystiker wie Roger Bacon vertrat im 13. Jahrhundert unter dem Einfluß der Sufis noch den Gesichtspunkt von der unverzichtbaren Bedeutung eines Wissens durch Erfahrung, ohne Spaltung des Menschen in Kopf (und Kopfwissen, auch: IQ), Herz (und Herzwissen, auch: EQ) und Bauch (und Bauch-Wissen, also Instinkt, Ahnung, Wille):

In den Naturwissenschaften kann man ohne Erfahrung und Experiment nichts Zureichendes wissen. Das Argument aus der Autorität bringt weder Sicherheit, noch beseitigt es Zweifel. [...]

Mittels dreier Methoden können wir etwas wissen: durch Autorität, Begründung und Erfahrung. Die Autorität nützt nichts, wenn sie nicht auf Begründung beruht: Wir glauben einer Autorität, sehen aber nichts ihretwegen ein. Doch auch die Begründung führt nicht zu Wissen, wenn wir nicht ihre Schlüsse durch die Praxis (des Experiments) überprüfen. [...]

Über allen Wissenschaften steht die vollkommenste von ihnen, die alle anderen verifiziert: Es ist das die Erfahrungswissenschaft, die die Begründung vernachlässigt, weil sie nichts verifiziert, wenn nicht das Experiment ihr zu Seite steht. Denn nur das Experiment verifiziert, nicht aber das Argument.
Roger Bacon

Man sieht hier gut den Unterschied zur heute gängigen Sicht, bei der sogar das gesamte Weltbild (beispielsweise der modernen Naturwissenschaften, aber auch der vorherrschenden Pseudoreligionen) auf Konzepten beruht, die nicht mehr in direkter Verbindung mit Wahrnehmung und direkter Erfahrung stehen. Sie sind nur noch über den Verstand zu vermitteln und spalten daher den Menschen gleichermaßen von der äußeren wie von seiner inneren Natur ab.

Ganzheitliches Wissen kann nur in ganzheitlicher Ausbildung vermittelt werden

Das sogenannte esoterische Wissen meint immer das ganzheitliche Wissen. D.h. ohne Entfaltung der gesamten Persönlichkeit und Wesenszüge einer Menschen bleibt dieser unvollständig und weiß eigentlich gar nichts, selbst wenn er einen noch so hochentwickelten Verstand hat.

Gurdjieff machte in seiner Lehre die Entwicklung dieses echten Wissens als Verständnis zu seinem Kern-Anliegen. (Eben deshalb auch der Name "Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen" für seine Einrichtung.)


Siehe auch:

  • Glauben (als Gegensatz von Wissen)
GLR, 5.10.2011